{"id":236,"date":"2025-09-02T22:36:20","date_gmt":"2025-09-02T22:36:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/?p=236"},"modified":"2025-09-02T22:36:20","modified_gmt":"2025-09-02T22:36:20","slug":"ziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/index.php\/2025\/09\/02\/ziehen\/","title":{"rendered":"Ziehen"},"content":{"rendered":"\n<p>22. Enquete, vom 19.2.2025 von Simon Huber<\/p>\n\n\n\n<p>Eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Enquete: Denn im Spielzug steckt vor allem das Ziehen als Metapher. Streng genommen kommt dies auch nur sehr selten vor. Wir heben Karten ab, Ziehen den K\u00fcrzeren, oder Figuren ins Feld. Es handelt sich um Entscheidungen &#8212; oder im Falle des Losens: nicht-Entscheidungen, bzw. Delegationen von Entscheidungen. Bei \u00dcbersetzungen wird klar, wie unterschiedlich der Sprachgebrauch ist: move, pick, draw, draft, drag and drop &#8211; in der Interface-Kultur. Auf Franz\u00f6sisch sagt man vielleicht eher coup oder enchainment im Falle eine Serie von taktischen Aktionen; eine Verkettung oder Kopplung \u2013 womit wir wieder beim Zug als Substantiv w\u00e4ren. Auf Deutsch jedenfalls ist die Spielaktion per se allgemein gebr\u00e4uchlich mit einer ziehenden Bewegung verkn\u00fcpft. <\/p>\n\n\n\n<p>Warum eigentlich? <\/p>\n\n\n\n<p>In einem engen Sinn ist keine andere spielerische Implementierung des Ziehens eingebracht worden, au\u00dfer das vorgebrachte <strong>Tauziehen<\/strong>. In diesem Kraftmessen, gewinnen jene Spieler*innen, die ihre Kraft besser zur Geltung bringen k\u00f6nnen; jene, die sich mehr &#8216;ins Zeug hauen&#8217;. Der Spielstand ist immer klar einsichtig, man m\u00f6chte die markierte Mitte des Seils \u00fcber die eigene Grenze ziehen und damit einen Sieg markieren. Ein kontinuierliches hin-und-her-ziehen l\u00e4uft auf einen entscheidenden Punkt hinaus. <\/p>\n\n\n\n<p>Je feiner abgestuft ein Spielverlauf ist, etwa in abwechselnden Runden, desto klarer lassen sich einzelne Z\u00fcge unterscheiden, die dann gemeinsam taktische Man\u00f6ver bilden. Anstatt laufendem Ringen, rattert in kleinen Platzierungen und Sequenzen eine Strategie ab. Jede Aktion zielt auf eine Zustandsver\u00e4nderung ab, r\u00fcckt also im eindimensionalen daf\u00fcr bewegten Bild des Tauziehens den Knotenpunkt n\u00e4her an die eigene Ziellinie. <\/p>\n\n\n\n<p>In den sprachlichen Verwandtschaften lassen sich strategisch-nachdenkliche, Sorge tragende, jedenfalls Absichtsvolle Bem\u00fchungen aufsp\u00fcren, die sich in Spielz\u00fcgen artikulieren. Das Ziehen erscheint als Gegensatz zum Werfen und Entwerfen, einem etwas ergebnisoffeneren Probehandeln und Austesten der manuellen F\u00e4higkeiten. Schon gibt es riskante Z\u00fcge, aber im Zug selbst ist kein Wagnis. Es koppeln sich eine Reihe von Entscheidungen zu einem Konzept, einem Plan, w\u00e4hrend sich ein Bild vom eigenen Handeln beim Werfen, Sto\u00dfen und Schlagen (anderer Objekte in einen Spielzusammenhang) erst sukzessive abzeichnet, korrigiert und angepasst wird. Man bringt nicht seine Ressourcen optimal ins Spiel, sondern eignet sich den Spielraum an. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem Schachbrett domniniert man durch die Konfiguration der eigenen Spielsteine und Figuren den M\u00f6glichkeitsraum, den sie Bewegungsmuster der Figuren zulassen. Selbst ist man Stellvertreten durch den K\u00f6nig, der sobald er matt gesetzt ist keine Entscheidung mehr t\u00e4tigen kann. Sein M\u00f6glichkeitsraum ist auf das eine Feld zusammengeschrumpft. Doch solange es gut l\u00e4uft weitet man seinen Einflussbereich aus, zieht an den Strippen. Im Gegensatz zum positiven Werfen bezieht man sich nicht auf einen statischen Raum (der Billiardtisch, der Petanque-Sandkasten, die Zielscheibe), der sich um das Spielziel herum organisiert. Das Ziehen verengt den Raum zu eigenen Gunsten f\u00fcr den Gegner. Man eignet sich Territorium an.  <\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/ZIEHEN.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Embed of ZIEHEN.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-50484caa-aa71-4561-a4ea-f2867c16073a\" href=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/ZIEHEN.pdf\">ZIEHEN<\/a><a href=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/ZIEHEN.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-50484caa-aa71-4561-a4ea-f2867c16073a\">Download<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>22. Enquete, vom 19.2.2025 von Simon Huber Eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Enquete: Denn im Spielzug steckt vor allem das Ziehen als Metapher. 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