{"id":198,"date":"2025-05-28T15:23:51","date_gmt":"2025-05-28T15:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/?p=198"},"modified":"2025-09-02T22:47:49","modified_gmt":"2025-09-02T22:47:49","slug":"drehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/index.php\/2025\/05\/28\/drehen\/","title":{"rendered":"Drehen"},"content":{"rendered":"\n<p>19. Enquete vom 8. J\u00e4nner 2025<\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/DREHEN.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Embed of DREHEN.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-26af14d4-d14c-4619-9fec-6e13e52478a7\" href=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/DREHEN.pdf\">DREHEN<\/a><a href=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/DREHEN.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-26af14d4-d14c-4619-9fec-6e13e52478a7\">Download<\/a><\/div>\n\n\n\n<p>Drehen ist eine uralte menschliche Bewegung \u2013 und eine zentrale Technik des Spielens. Ob als Spielmechanik, als ritualisierte Bewegung oder als soziale Anordnung: Das Drehen er\u00f6ffnet R\u00e4ume, ver\u00e4ndert Perspektiven und balanciert zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. In seinem Vortrag im Rahmen des Ludologischen Symposiums entfaltet Fabian Seiser das Drehen als komplexe Kulturtechnik. Dieser Beitrag folgt seinen Gedanken und vertieft die Bedeutung des Drehens im Spiel und dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Was hei\u00dft eigentlich &#8220;drehen&#8221;?<\/strong> <\/h4>\n\n\n\n<p>Drehen bedeutet mehr als das Rotieren eines Objekts. Es ist ein Akt mit vielf\u00e4ltiger Bedeutung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Mechanische Rotation<\/strong>: Zahnr\u00e4der, Drehscheiben, Spielbretter.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Soziale Anordnung<\/strong>: Kreisbildung im Spiel oder Gespr\u00e4ch.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Erfahrung<\/strong>: Desorientierung, Rhythmus, Ritual.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Seiser unterscheidet zwei Grundformen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Gerichtetes Drehen<\/strong>: gezieltes Einstellen eines Zustands (z.\u202fB. Zahlenrad, Spielmechanik).<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ungerichtetes Drehen<\/strong>: lustbetontes, kontingenzoffenes Rotieren (z.\u202fB. Karussell, Kreisel).<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Unterscheidung er\u00f6ffnet den Blick auf das Drehen als ambivalente Handlung zwischen Pr\u00e4zision und Rausch.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Drehen im Spiel: Mechanik und Metapher<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Drehen ist in vielen Spielen zentrales Handlungselement. Einige Beispiele:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Drehscheiben<\/strong>: zur Code-Eingabe (<em>Exit Games<\/em>), zum Zustandswechsel oder als Zufallsgenerator.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Tappen bei Magic<\/strong>: Drehen von Karten zur Aktivierung \u2013 eine elegante Geste zur Markierung des Spielzustands.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Drehbare Spielfelder<\/strong>: z.\u202fB. modulare Pl\u00e4ne in Stadt- oder Aufbauspielen.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Dabei ist das Drehen stets mehr als Bewegung \u2013 es ist <strong>Regeltr\u00e4ger, Informationsquelle und Statusanzeige<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Der Kreis als Form und Symbol<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Das Drehen ist formal an den Kreis gebunden. Dieser bringt kulturelle Bedeutungen mit sich:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Gleichheit<\/strong>: Jeder Punkt des Kreises ist gleich weit vom Zentrum entfernt \u2013 ideal f\u00fcr faire Spielanordnungen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zugeh\u00f6rigkeit<\/strong>: Im Kreis wird niemand ausgeschlossen, alle sind \u201edrin\u201c.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zirkularit\u00e4t<\/strong>: Keine Richtung, kein Ziel \u2013 das Drehen verweigert Linearit\u00e4t.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der Kreis als soziale Spielordnung (z.\u202fB. Stuhlkreis) erzeugt R\u00e4ume der Offenheit, ohne Zentrum oder Hierarchie.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Rausch und Desorientierung: Die andere Seite des Drehens<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Nicht jedes Drehen ist gezielt oder produktiv. In Spielen wie <em>Flaschendrehen<\/em>, <em>Karussellfahren<\/em> oder dem <em>Kreisel<\/em> steht der Kontrollverlust im Zentrum:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Spannung durch Zufall<\/strong>: Wer wird gew\u00e4hlt? Wo zeigt die Flasche hin?<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Rauschhaftigkeit<\/strong>: Wiederholtes Drehen ver\u00e4ndert Wahrnehmung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>K\u00f6rperliche Erfahrung<\/strong>: Schwindel, Lachen, Ekstase.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Hier wird das Drehen zur <strong>\u00e4sthetischen Erfahrung<\/strong>, zum Generator f\u00fcr soziale Dynamik und Emotion.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Drehen als Regelstruktur: Indexikalische Systeme<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Drehbewegungen erzeugen Zust\u00e4nde \u2013 etwa durch Anzeigen, Codierungen oder Richtungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kompass<\/strong>: Orientierung durch Drehen.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Exit Games<\/strong>: Codierscheiben als zentrale Spielmechanik.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Zahnr\u00e4der<\/strong>: Mechanische Kopplung von Handlungen im Spiel.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Das Drehen ist dabei immer auch ein <strong>Informationszugriff<\/strong>: Wer dreht, ver\u00e4ndert den Zugriff auf Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Spiel im Kreis: Raum ohne Zentrum<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Drehen ist nicht nur Bewegung, sondern auch Anordnung:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Kinderspiele im Kreis<\/strong>: z.\u202fB. &#8220;Alle meine Entchen&#8221; oder &#8220;Der Plumpsack&#8221;.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kreis als Spielstart<\/strong>: Chancengleichheit durch symmetrische Anordnung.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Kreis als Begegnungsraum<\/strong>: ohne Front, ohne R\u00fcckseite.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Der Kreis wird zum Raum, in dem <strong>alle gleich viel sehen, sagen, h\u00f6ren d\u00fcrfen<\/strong> \u2013 ein demokratisches Ideal, das im Spiel konkret erfahrbar wird.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Historische Tiefen: Drehen als Denk- und Wissensform<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Drehen hat eine lange Kulturgeschichte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Raimund Lulls Kombinationsr\u00e4der<\/strong>: Wissen durch Drehen generieren.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>R\u00e4deruhren<\/strong>: Zeitmessung durch Rotation.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Planetensph\u00e4ren<\/strong>: Kosmisches Weltbild als drehende Ordnung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Diese historischen Formen zeigen: Drehen war nicht nur Spielerei, sondern eine <strong>epistemische Technik<\/strong> \u2013 also eine Art, Wissen zu strukturieren und Welt zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading has-medium-font-size\"><strong>Fazit: Drehen als dynamische Kulturtechnik<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Drehen ist eine Bewegung \u2013 aber nicht beliebig. Sie strukturiert Spiele, R\u00e4ume, Bedeutungen. Sie kann Rausch erzeugen, Regeln setzen, Beziehungen schaffen. Fabian Seiser zeigt mit seinem Vortrag eindrucksvoll:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Drehen ist <strong>spielerisch, symbolisch und sozial<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li>Es er\u00f6ffnet <strong>Zug\u00e4nge zu Wissen, Erfahrung und Interaktion<\/strong>.<\/li>\n\n\n\n<li>Es ist eine Technik, mit der wir <strong>die Welt lesen, strukturieren und auch ver\u00e4ndern<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Spiele nutzen das Drehen gezielt \u2013 als Werkzeug zur Sinnproduktion, zur Verhandlung von Zufall und Kontrolle, zur Gestaltung von Raum und Beziehung. In diesem Sinne ist Drehen mehr als ein Akt: <strong>Es ist ein kulturelles Programm<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag basiert auf dem Vortrag von Fabian Seiser im Rahmen des Ludologischen Symposiums am 8. Januar 2025<\/em> &#8211; zusammen gefasst von ChatGPT-4.<\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>19. Enquete vom 8. J\u00e4nner 2025 Drehen ist eine uralte menschliche Bewegung \u2013 und eine zentrale Technik des Spielens. Ob als Spielmechanik, als ritualisierte Bewegung oder als soziale Anordnung: Das Drehen er\u00f6ffnet R\u00e4ume, ver\u00e4ndert Perspektiven und balanciert zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. 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