{"id":1,"date":"2024-10-02T09:37:37","date_gmt":"2024-10-02T09:37:37","guid":{"rendered":"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/?p=1"},"modified":"2025-09-24T21:23:34","modified_gmt":"2025-09-24T21:23:34","slug":"hello-world","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/index.php\/2024\/10\/02\/hello-world\/","title":{"rendered":"H\u00e4nde sch\u00fctteln"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"wp-block-heading\">EINIGEN (auf Spielregeln) als Kulturtechnik? <\/h4>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/01_EINIGEN-1024x724.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-143\" style=\"width:532px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/01_EINIGEN-1024x724.png 1024w, https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/01_EINIGEN-300x212.png 300w, https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/01_EINIGEN-768x543.png 768w, https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/01_EINIGEN.png 1191w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bevor ein Spiel startet, muss zumindest Einigkeit hergestellt werden, dass nun andere Regeln gelten: Der Ernst des Lebens wird unterbrochen, der &#8220;Heilige Ernst&#8221; (Huizinga) des Spiels beginnt. Mit einem Handschlag wird diese \u00dcbereinkunft besiegelt. Er signalisiert die Bereitschaft der Spielparteien sich auf ein faires Spiel einzulassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Daher sind der erste Untersuchungsgegenstand der Enquetekommision, die im Rahmen der Ludologischen Symposien zusammentritt, die diversen Verfahren mit denen Einigkeit hergestellt wird. <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Regeln einer ludologischen Enquetekommission<\/h4>\n\n\n\n<p>Im Zuge der ludologischen Symposien werden <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-global-padding is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Aus einem <strong>Spielobjekt<\/strong> wird eine <strong>Kulturtechnik<\/strong> abgeleitet; eine irreduzible Operation, die aus der Materialit\u00e4t des Dings, mit dem augenscheinlich gespielt wird, abgeleitet wird. Sie lassen sich eine Reihe von Elemente isolieren, aus denen sich diverse Spiele <strong>zusammensetzen<\/strong>.<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Einigen ist in diesem Sinne noch keine Kulturtechnik. Zahlreiche solche stehen zur Verf\u00fcgung, um sich einig zu werden:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>sprechen (aushandeln),<\/li>\n\n\n\n<li>schreiben (vertraglich),<\/li>\n\n\n\n<li>kaufen (rechnerisch),<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>aber auch g\u00e4nzlich implizit: es reicht einfach am Spieltisch Platz zu nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das erste Spielobjekt, das als Pr\u00e4zedenzfall an diese erste Stelle einer  ludologischen Untersuchungskommision r\u00fcckt, ist daher die <strong>Hand<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zugeh\u00f6rige Kulturtechnik ist das <strong>H\u00e4nde sch\u00fctteln.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir driften aber nicht in die mannigfaltige <a href=\"https:\/\/nationalgeographic.de\/geschichte-und-kultur\/2020\/03\/geschichte-des-handschlags-warum-fassen-wir-so-oft-fremde-an\/\">Kulturgeschichte dieses symbolischen Akts<\/a> ab, der w\u00e4hrend Corona wieder besondere Aufmerksamkeit erfuhr. <\/p>\n\n\n\n<p> Spieleforscher*innen m\u00fcssen nicht lange nachdenken, um sich an ein bestimmtes Spiel zu erinnern, dass oft in Einigungsprozessen zum Einsatz kommt, d.h. wenn es gilt sich etwas auszuknobeln und keine Hilfsmittel zur Hand sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schere-Stein-Papier<\/h3>\n\n\n\n<p>ist eben eine verspielte Form des H\u00e4ndesch\u00fcttelns. (Verspielt hei\u00dft in diesem Fall <strong>ludifiziert<\/strong>, also eine Reglementierung eines anarchischen Kinderspiels, wo die Regeln immer einer impliziten oder expliziten Aushandlung zur Disposition stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df eines fr\u00fchen Handbuchs f\u00fcr Game Designer*innen (Salen\/Zimmermann 2004) ist Spiel (&#8216;game&#8217;) wie folgt definiert. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201cA game is a system in which players engage in an artificial conflict, defined by rules, that results in a quantifiable outcome.\u201d<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Das System stellt drei Optionen zur Wahl, der k\u00fcnstliche Konflikt entsteht aus dem intransitiven Verh\u00e4ltnis dieser dreier Optionen, die jeweils einer anderen \u00fcberlegen ist, eine <strong>intrasitive Reihe<\/strong>. <\/p>\n\n\n\n<p>Sid Meier, Erfinder der <em>Civilization<\/em>-Reihe reduzierte das unendlich in die L\u00e4nge zu ziehende Abw\u00e4gen auf einer Serie von Entscheidungen: &#8220;A game is a series of interesting decisions.&#8221; Genau besehen m\u00fcssen sie nicht interessant sein. Damit sich ein Spiel aber auf einem Markt reich an Angeboten bew\u00e4hrt, sollten sie besser interessant sein. Die Ausgewogenheit dreier gleichwertiger Optionen f\u00fcr zwei Spieler*innen macht sie interessant genug. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Spiel (&#8220;game&#8221; \/ ludus ) <em>Schere-Stein-Papier<\/em> ludifiziert das theatralische Spiel (&#8220;play&#8221; \/ paidia ) des <em>H\u00e4nde-sch\u00fcttelns<\/em>. Der kontinuierliche Prozess der auf-und-ab Bewegung wird in diskrete Abschnitte \u00fcberf\u00fchrt, in z\u00e4hlbare Ergebnisse. Es f\u00f6rmliches H\u00e4ndesch\u00fctteln steht oft am Ende von Verhandlungen; es besiegelt eine bereits erzielte Einigung. Indem man das Einigen so systematisch verspielt, kann es grundlegend f\u00fcr weitere Spiele werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Man sichert die f\u00fcr das Spiel zentrale Freiwilligkeit in vor-diskursiver Weise \u2013 sie ist also nicht in Sprache gehoben. Noch bevor es zum Austausch von Argumenten kommt, bevor Spielz\u00fcge sich abwechseln, ist in einem gemeinsamen Takt der Prozess des sich Einigwerdens geregelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Prozess der <strong>K\u00f6rperlichen Synchronisation<\/strong> wird regelgeleitet in eine quantifizierbare Ordnung \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine koh\u00e4rente Ludologie k\u00f6nnte daher eine Wissenschaft von der nicht weniger k\u00fcnstlichen Intelligenz der Hand sein.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Handwerk und Handwissen<\/h4>\n\n\n\n<p>Spiele mobilisieren ein Wissen; das in neuzeitlichem Automatenfetischismus schon oft &#8220;k\u00fcnstlich&#8221; in Maschinenform \u00fcbersetzt wurde. Im derzeitigen Diskurs rund um k\u00fcnstliche Intelligenz sind aber diese Ingenieurleistungen blo\u00df T\u00e4uschungen. <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Emblematisch wirkt die Schwierigkeit per KI H\u00e4nde zu generieren.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch in der Versuchsanordnung des Turing-Tests muss die Hand des Gegners verborgen werden. Dann ist eine maschinelle Intelligenz, die den Zug geplant und entschieden hat, nicht mehr von der menschlichen zu trennen. <\/li>\n\n\n\n<li>Spiele sind zentral, um KIs zu trainieren, denn strikt regelgeleitetes Verhalten kann Denken simulieren, das am Spielbrett (oder Bildschirm) \u00f6ffentlich einsichtig wird. Die M\u00f6glichkeit eigene Strategien zu entwickeln ist ein Meilenstein im selbstgesteuerten Training, der Programme. <\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Als Designer gibt man den Spieler*innen des Spiels M\u00f6glichkeiten an die Hand, \u00fcber Spielmechaniken den Verlauf zu beeinflussen. Bleibt die Frage, ob Spieldesign selbst an KIs ausgelagert werden k\u00f6nnen? K\u00f6nnen sie interessante soziale Dynamiken in Gang zu setzen? Kann Informationstechnologie selbst ohne K\u00f6rper, f\u00fcr unsere menschlichen Gestalten reizvolle Spiele ermitteln? <\/p>\n\n\n\n<p>Ein normales Spiel Schere-Stein-Paper spielt man selbst am besten ganz ohne Intelligenz. Rein zuf\u00e4llig gew\u00e4hlte Aktionen, k\u00f6nnen nicht vorausgeahnt werden. Second-Guessing lie\u00dfe sich ausschalten, wenn man vorher seine Wahl heimlich w\u00fcrfelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Spieler*innen, die diese ideale Strategie anwenden, einigen sich durch <a href=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/index.php\/2025\/05\/27\/losen\/\" data-type=\"post\" data-id=\"173\">LOSEN<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Ludologische Dokumentation<\/h4>\n\n\n\n<p>Durch die Gegen\u00fcberstellung komplexer Interaktionen mit diesen elementaren Techniken zeichnen wir die Produktion von Bedeutung auf ihrer grundlegendsten Ebene nach. Der Dokumentationsprozess selbst war rekursiv und wurde in Zines festgehalten: einzelne Bl\u00e4tter Papier, die zu einer buch\u00e4hnlichen Form gefaltet wurden. So wie komplexe Erz\u00e4hlungen durch einfaches Bl\u00e4ttern navigiert werden, werfen diese Zines ein Licht auf die komplizierten Prozesse der Bedeutungsproduktion in Spielen, die durch simple Operationen angetrieben werden.<\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file aligncenter\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/EINIGEN.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Embed of EINIGEN.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-2358d128-c539-43da-840b-733f876ff6f0\" href=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/EINIGEN.pdf\">EINIGEN<\/a><a href=\"https:\/\/ludology.uni-ak.ac.at\/wp-content\/uploads\/2024\/10\/EINIGEN.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-2358d128-c539-43da-840b-733f876ff6f0\">Download<\/a><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h3>\n\n\n\n<p>D\u00fcnne, J\u00f6rg, Kathrin Fehringer, Kristina Kuhn, und Wolfgang Struck, Hrsg. <em>Cultural Techniques: Assembling Spaces, Texts &amp; Collectives<\/em>. De Gruyter, 2020. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1515\/9783110647044\">https:\/\/doi.org\/10.1515\/9783110647044<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Huizinga, Johan. <em>Homo Ludens: Vom Ursprung der Kultur im Spiel<\/em>. 21. Aufl. Rororo, 2009.<br><br>Macho, Thomas. \u201eTiere zweiter Ordnung. Kulturtechniken der Identit\u00e4t\u201c. In <em>Der Mensch: ein \u201eanimal symbolicum\u201c?: Sprache, Dialog, Ritual<\/em>, herausgegeben von Heinrich M. Schmidinger und Clemens Sedmak. Topologien des Menschlichen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2007.<\/p>\n\n\n\n<p>Tekinba\u015f, Katie Salen, und Eric Zimmerman. <em>Rules of play: game design fundamentals<\/em>. MIT Press, 2003.<br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EINIGEN (auf Spielregeln) als Kulturtechnik? Bevor ein Spiel startet, muss zumindest Einigkeit hergestellt werden, dass nun andere Regeln gelten: Der Ernst des Lebens wird unterbrochen, der &#8220;Heilige Ernst&#8221; (Huizinga) des Spiels beginnt. 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